Mittelstandsforum "Bergsträßer Modell"
"Vorzug für örtliche Betriebe
Handwerk: Landrat Wilkes wirbt für ein „Bergsträßer Modell“ – Günstigstes Angebot nicht immer das wirtschaftlichste
ROSSDORF. Wie kommen mittelständische Betriebe bei kreiseigenen Aufträgen besser zum Zug? Um diese Frage ging es in Roßdorf. Der Kreisverband „Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung“ hatte zum Informationsabend mit dem Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU) eingeladen, der das sogenannte Bergsträßer Modell vorstellte.
„Der billigste Anbieter muss nicht immer der wirtschaftlichste sein“, beschreibt Wilkes den Kerngedanken der neu gestalteten Auftragsvergabe in seinem Landkreis. Im Gegensatz zu den Vergaberichtlinien nach der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) sei die Kommune nach dem „Bergsträßer Modell“ nicht gezwungen, das günstigste Angebot auszuwählen. Mittel zum Zweck ist ein neu gegründeter Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft, der von öffentlichen Vergabevorschriften befreit ist.
Im Gegensatz dazu steht das sogenannte Offenbacher Modell, das auf Öffentlich-Private Partnerschaften bei der Realisierung von Bauvorhaben setzt. Im Ergebnis kämen hier vor allem große Baufirmen zu Zuge, so Wilkes. Er hält davon nichts: „Letztlich sind wir wirtschaftlicher.“ Bei der Einbeziehung des örtlichen Handwerks zählt für ihn zum einen die regionale Bindung der Betriebe und ihr dadurch möglicherweise höheres Verantwortungsbewusstsein („örtliche Handwerker haben einen Ruf zu verlieren“), zum anderen sieht er Steuervorteile: „Die Handwerker zahlen bei uns Gewerbesteuer, die Mitarbeiter Einkommensteuer. Das Geld bleibt also in der Region.“ Über das Bergsträßer Modell werde also regelrecht ein regionaler Wirtschaftskreislauf etabliert.
Die Zahlen scheinen Wilkes recht zu geben: Insgesamt wurden 2006 rund 85 Prozent der Aufträge im Bereich Schulsanierung an regionale Betriebe vergeben, wobei Wilkes als region die Bergstraße einschließlich der Betriebe im Umkreis von 50 Kilometer sieht. Bezogen auf das Auftragsvolumen blieben 75 Prozent des Geldes beim örtlichen Handwerk.
Auch Darmstadt-Dieburg hat die Einrichtung eines Eigenbetriebs Gebäudemanagement beschlossen, diesen im bisher nur für Abfallwirtschaft zuständigen „DA-DI-Werk“ angesiedelt. Bestand sind zunächst wie an der Bergstraße Schulgebäude und damit zusammenhängend Sanierungsarbeiten. „Das örtliche Handwerk bei der Auftragsvergabe einzubinden ist ein ganz wesentlicher Aspekt“, so Bau- und Schuldezernent Christel Fleischmann. „Wir haben uns deshalb klar gegen Öffentlich-Private Partnerschaften entschieden.“
Ihm kommt es vor allem darauf an, bei konkreten Angeboten nachverhandeln zu können. Müssten öffentliche Vergaberichtlinien angewandt werden, sei dies nicht möglich. Wichtig sei allerdings, Missbrauch und Korruption vorzubeugen.
hkn
12.10.2007"
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aktualisiert von Klaus Becker, 15.10.2007, 16:52 Uhr |